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Juristische,
praktische und psychodynamische Aspekte der
beruflichen Verschwiegenheit
Obwohl die berufliche Schweigepflicht
einen der am häufigsten beschworenen berufsethischen Grundsätze darstellt, stellen Verletzungen der Schweigepflicht
keine Einzelfälle dar. Zudem besteht in der alltäglichen Praxis bei den
Angehörigen der betroffenen Berufsgruppen erhebliche Unsicherheit über
die Befugnis bzw. Pflicht zur Offenbarung anvertrauten Wissens an Dritte (z.B. Vorgesetzte, KollegInnen, Institutionen,
Angehörige).
Während die fachliche Kooperation zu den
grundlegenden Prinzipien der medizinischen, psychotherapeutischen und
psychosozialen Versorgung (Stichworte: Teamarbeit, Netzwerk, Case-Management)
gehört, werden die sich daraus ergebenden Fragen der Verschwiegenheit und des Datenschutzes nur unzureichend reflektiert und bedacht.
Gleichzeitig wird eine
politisch-gesellschaftliche Tendenz zur Aufweichung der beruflichen
Schweigepflicht durch immer neue gesetzliche Regelungen deutlich, ohne
daß die weitreichenden Konsequenzen dieser Veränderungen ausreichend thematisiert
würden.
Die Internetseite richtet
sich einerseits an jene Berufsgruppen, die im medizinischen,
psychosozialen oder psychotherapeutischen Bereichen tätig sind,
insbesondere:
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Ärztinnen und Ärzte
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Diplom-PsychologInnen
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Diplom-SozialpädagogInnen und
Diplom-SozialarbeiterInnen
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Psychologische PsychotherapeutInnen
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Kinder- und
JugendlichenpsychotherapeutInnen
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weitere Berufsgruppen
(Krankenschwestern und -pfleger, ArzthelferInnen,
Sprechstundenhilfen, StudentInnen, Diplom-PädagogInnen etc.)
und andererseits an Personen, die von
der Problematik direkt oder indirekt betroffen sind, so beispielsweise:
sowie an alle
Personen, denen Fragen von Datenschutz, Schweigepflicht und
Diskretion ein gesellschaftpolitisches Anliegen sind.
Aktuelle Informationen zu Fragen der Schweigepflicht und des
Datenschutzes aus Politik, Wirtschaft und Justiz finden Sie
unter Aktuelles.
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Leonardo da Vinci:
Vitruv (1490)
Venedig: Galleria dell'
Accademia |
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Hippokrates: Uffizien,
Florenz |
Der Eid des Hippokrates
(Auszug)
Was immer ich sehe und höre, bei der Behandlung oder außerhalb
der Behandlung, im Leben der Menschen, so werde ich von dem,
was niemals ausplaudert werden soll, schweigen, indem ich alles
Derartige als solches betrachte, das nicht ausgesprochen werden
darf.
Hippokrates von Kos (um 460 bis 375 v. Chr.)
Abbildung: ©
www.aeria.phil.uni-erlangen.de. (Antikensammlung Erlangen
AERIA)
Text:
Deichgräber, Karl (1983): Der
hippokratische Eid. Stuttgart: Hippokrates Verlag
4. Aufl.
1983, 15 (Übersetzung aus dem Altgriechischen) |
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Mignon
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht;
Ich möchte dir mein ganzes Innres zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen;
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen
Quellen.
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen;
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.
J. W. von Goethe (1827): Gedichte (Ausgabe letzter Hand): Aus Wilhelm Meister. Berliner Ausgabe 1960, Band 1, 353
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sub rosa dictum
In der griechischen Mythologie
schickte man Harpokrates, dem Gott des Schweigens, Rosen um die
Liebesaffäre der Liebesgöttin Venus zu verbergen damit er das
Geheimnis bewahre. Seither gilt die Rose als Symbol der
Verschwiegenheit (so beispielsweise auch die 'Weiße Rose' der
Geschwister Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell,
Christoph Probst, Willi Graf und Prof. Kurt Huber).
Anmerkung:
Die Charakterisierung des
Harpokrates als Gott des Schweigens beruht offensichtlich auf
einer mißverständlichen Deutung der Darstellung des ägyptischen
Gottes durch die Griechen. Der auf den Mund gelegte Finger
(teils auch zwei Finger) bringt das kindliche Alter des Gottes Horpechrot (griech. Harpokrates), Sohn der ägyptischen Göttin
Isis, zum Ausdruck nicht aber eine Geste des Schweigens (Quelle: Mayer's Konversationslexikon, Band 8,
729 - online Ausgabe). |

©
Oliver Mayer
lizenzfreie Abbildung
www.pixelio.de |

Harpokrates mit Jugendlocke
©
de.wikipedia.org |
"Der Psychoanalytiker kann Schweigepausen einlegen; ebenso wie
der Maler oder Musiker kann er nonverbales Material
kommunizieren. In ähnlicher Weise kann der Maler Material
kommunizieren, das nicht visuell ist,
und der Musiker Material, das unhörbar ist. Das präverbale
Material,
das der Psychoanalytiker erläutern muß, illustriert unweigerlich
die Kommunikationsschwierigkeit, die er selbst erlebt. Die
Fähigkeit, Punkte, Geraden und Raum zu benutzen, wird wichtig
für das Verstehen
des »emotionalen Raums«, für die Kontinuität der Arbeit und
das Vermeiden einer Situation, in der zwei Persönlichkeiten, die
sich nicht artikulieren können, unfähig sind, sich aus den
Fesseln dieser Sprachlosigkeit zu befreien."
Bion, W. R. (1970/2006): Aufmerksamkeit und Deutung.
Tübingen: edition diskord, 24
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La
Discrétion
Dubufe, Claude Marie
(1790-1864), um 1820-1827 (zugeschrieben)
Portrait der Pauline
Appert, Frau des französischen Industriellen Nicolas
Appert. Die junge Frau wird in Rückansicht zum
Betrachter vor einem grünen Hintergrund abgebildet. Sie
trägt ein weißes, schulterfreies Kleid und einen roten
Turban im dunkelbraunen Haar. Ihr Gesicht ist stark nach
rechts gedreht. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand
ruft sie zur Verschwiegenheit, zur Diskretion auf.
Der Künstler Dubufe war
Schüler Jacque-Louis Davids und stellte zwischen 1810
bis 1863 im Salon in Paris aus. Er ist insbesondere als
Portraitmaler bekannt, hat sich aber auch mit
Genrebildern oder mythologischen Szenen (z.B. Gemälde
Apollon und Cyparis, um 1822/ Musée Calvet in Avignon)
auseinandergesetzt.
Unsigniert, mit
Information zum Titel des Gemäldes und Zuschreibung aus
einer früheren Versteigerung (Rs.) aus Frankreich. In
vergoldetem Holzrahmen, Maße Gemälde: 60 x 49 cm,
gerahmt: 70,5 x 60 cm, starke Restaurierungsspuren.
Literatur: Benezit Bd. 4,
S. 776, Thieme-Becker Bd. 10, S. 13/14
Text und Bild mit
Genehmigung von
lot-tissimo, Hamburg (9/2009)
Bild:
wikimedia commons Quelle:
www.lot-tissmo.net |
Wird die menschliche
Vergesellschaftung durch das Sprechenkönnen bedingt, so wird sie - was
freilich nur hier und da hervortritt - durch das Schweigenkönnen
geformt. Wo
alle Vorstellungen, Gefühle, Impulse, ungehemmt als Rede hervorsprudeln,
entsteht ein chaotisches Durcheinander, statt eines irgendwie
organischen Miteinanders.
Georg Simmel (1858-1918),
deutscher Philosoph und Soziologe: Soziologie Untersuchungen über die
Formen der Vergesellschaftung. Berlin: Duncker & Humblot, 1. Auflage
1908: 285.
[Kapitel V:
Das Geheimnis und
die geheime Gesellschaft]
Zitat im
Zusammenhang: Link
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Dr. J. Thorwart (Administrator)
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